Quartiersmanagement Mariannenplatz - Berlin

„Es geht darum, Räume zu eröffnen“ – Im Gespräch mit Itong Ehrke über das Sportangebot für Mädchen im Mariannenkiez

„Gemeinsam sind wir stark“ – Das vom Quartiersmanagement finanzierte Fitnessangebot für Mädchen läuft Ende des Jahres aus. Itong Ehrke und ihr Team vom Seitenwechsel Sportverein konnten die letzten drei Jahre zahlreiche Formate ausprobieren, etablieren und den Mädchen im Kiez zwischen 8 und 18 Jahren mit ihrer Arbeit geschützte Bewegungsräume eröffnen.

Offen, partizipativ und ohne Leistungsdruck: eine neue Landkarte des Sports

Die Angebote waren bewusst nicht vereinsorientiert, sondern offen gestaltet. Auch was die Sportarten betrifft gab es keine Einschränkungen: wer in der Halle ist, darf tun auf was er Lust hat. Diese Offenheit, sowie die Unverbindlichkeit der wöchentlichen Teilnahme, seien wichtig für viele Mädchen. Man müsse aufpassen nicht „überzustrukturieren“, denn das schrecke ab meint Itong Ehrke. Die meisten Mädchen haben bereits mit der Ganztagsschule sehr viel Programm abzuleisten. Sport soll im Gegensatz dazu ohne Erwartungen oder Druck stattfinden – niemand wird hier nach Hause geschickt. So konnten viele Mädchen in den zwei wöchentlichen Hallenzeiten neue Sportarten kennenlernen und sich ohne Vereinsverbindlichkeit ausprobieren. Aber auch besondere Sportaktivitäten und Aktionswochen wie Ausflüge in den Kletterwald, die Trapezaktionswoche, Kickboxen, Fußballcamps und die Rollschuhdisko im SO36, zu der letztes Mal 70 Mädchen kamen, waren für viele einmalige Erfahrungen: „Die Mädchen haben eine andere Landkarte des Sports bekommen“. Über solche Aktionen erreiche man auch die Zielgruppen, die sonst weniger an Sportangeboten teilnehmen.

Sport nicht als Verpflichtung, sondern als Freizeit erleben

„Es geht darum, Räume zu eröffnen“, bekräftigt Itong Ehrke im Gespräch. Dies sei deshalb so wichtig, da gerade die öffentlichen Räume im Kiez häufig nicht den Mädchen gehörten, so die Projektmanagerin. Um dieses Defizit an geschützten Sporträumen auszugleichen braucht es aufsuchende, niedrigschwellige und kostenfreie Angebote. Oft haben die Teamleiterinnen die Mädchen direkt im Civilipark angesprochen und motiviert. Die Tanzgruppe konnte sich mit der Zeit neben den Hallensportzeiten besonders gut etablieren. Eine Kerngruppe hat sich herausgebildet und verschiedene Zielgruppen wurden durch das Angebot angesprochen. Auch wenn sich Itong Ehrke manchmal noch eine höhere Nachfrage gewünscht hätte, ist sie auch zufrieden mit der „Politik der kleinen Schritte“, die bei solchen Projekten gefragt sei.

Ein nachhaltiges Ergebnis des Projektes ist die Netzwerkarbeit, die sich mit dem Projekt verstetigen konnte. Gemeinsam mit dem Pfeffersport (ehemals Pfefferwerk), der Naunynritze und auch den Bear City Roller Derbys arbeiten sie daran, weiterhin diese Sporträume offen zu halten. Gerade aufgrund des derzeitigen Umbaus der Naunynritze fehlten diese Räume besonders. Die Verbindungen zu den Mädchen im Kiez über Projekte in den Schulen und die zahlreichen Aktionen konnten gefestigt werden. Diese Verbindungen werden bleiben, vor allem da Seitenwechsel mit anderen Angeboten weiterhin im Kiez aktiv sein wird, z.B. mit der Schulsport AG. Aktionen wie das Leyla rennt Mädchensportfest werden ebenso fortgeführt. Auch ein Ballsportangebot wird es weiterhin geben.

Am 18.12. findet das Projekt zum Abschluss noch einen letzten Höhepunkt: Die beliebte Rollschuhdisko im SO36 lädt wieder ein! Um 17 Uhr geht es los. Auch die Kieztanzgruppe wird dort noch einmal auftreten – nicht verpassen!