Quartiersmanagement Mariannenplatz - Berlin

Das wertvolle Förderwissen weitergeben

Im Gespräch mit Lisa Opel von Camp Group gGmbH über das QM-Projekt „Fortbildung und Prozessbegleitung im gemeinnützigen Sektor“. Gemeinsam mit den Organisationen im Kiez schaffen sie schon jetzt gute Voraussetzungen für stabile Projektfinanzierungen in Zeiten nach dem Quartiersmanagement.
Kiezredaktion
Hallo Lisa, was kannst du uns über dich und deine Arbeit bei Camp Group erzählen?

Lisa Opel
Hallo, ich bin Lisa Opel und arbeite seit über drei Jahren für die Camp Group. Ich habe ursprünglich Bildungswissenschaften studiert und bin vor allem über das Projekt BoxGirls zur Camp Group gekommen. Durch meine Arbeit habe ich mich schnell im Bereich Fundraising und Wirkungsmessung weitergebildet. Camp Group ist eine Organisation, die seit 2007 unterschiedliche Projekte betreut, z.B. internationale Projekte wie BoxGirls, aber auch demokratiepädagogische Projekte wie RespAct, das wir hier an Berliner Schulen durchführen. Und eben Projekte, wo es darum geht, andere NGOs bei deren Fundraisingprozessen zu begleiten und zu beraten. Da wir selbst als Verein angefangen haben, versuchen wir unsere Erfahrungen aus der Praxis so aufzubereiten, dass es andere Organisationen leicht verstehen und in ihre Strukturen einfügen können. Wir haben bemerkt, dass es häufig ein „Übersetzungsproblem“ gibt – viele Projekte machen oft schon ganz tolle Arbeit. Aber es gibt ein paar Tricks, wie man seine Kommunikation noch expliziter machen kann und sich so vor dem Fördergeber viel besser positionieren kann. Diese Lücke füllen wir jetzt mit dem Projekt im Mariannenkiez.

Kiezredaktion
Wie ist das Projekt aufgebaut? Wie funktioniert die Wissensvermittlung, von der du sprichst und welche Ziele verfolgt ihr damit?

Lisa Opel
Da das QM am Mariannenplatz bald verstetigt wird, besteht natürlich der Bedarf die aktuellen Akteure, Vereine und NGOs im Kiez darin zu stärken, finanziell stabil zu bleiben, unabhängig von Geldern aus dem Programm Soziale Stadt. Damit sie die gute Arbeit, die sie bereits machen, auch langfristig tun können. Die wichtigsten Ziele sind wie gesagt die Wissensvermittlung, z.B. zu Förderungen durch Stiftungen, Unternehmen, EinzelspenderInnen oder Eigenmitteln und natürlich wie man seine Finanzierung strategisch plant. Ein weiteres Ziel ist das Reflektieren der eigenen Strukturen und wie man diese möglichst effizient weiterentwickeln kann. Also z.B. selbst Anträge schreiben lernen und diesen Prozess in die eigenen Strukturen einfügen, sodass es mit den zeitlichen Ressourcen passt. Eine der größten Schwierigkeiten aller NGOs ist es, mit den begrenzten zeitlichen und personellen Ressourcen zurecht zu kommen. Fundraising ist da immer eine zusätzliche Investition, die gerade für kleine Vereine schwer zu stemmen ist. Das dritte Ziel ist natürlich die Vernetzung der Akteure. Wir unterstützen das Teilen von Ressourcen und Talenten und das gegenseitige Stärken der NGOs untereinander.

Kiezredaktion
Mit welchen konkreten Methoden und Formaten erreicht ihr eure Ziele im Mariannenkiez? Und welche Organisationen sind schon dabei?

Lisa Opel
Im April letzten Jahres haben wir und das QM an alle Akteure im Kiez einen Aufruf mit unserem Angebot geschrieben. Letztendlich kann man so etwas nicht aufzwingen, da es eine Zeitinvestition ist und das muss eine Organisation natürlich können und wollen. Das heißt alle, die mitmachen, machen da ganz freiwillig mit. Das sind z.B. a tip:tap, Yeşil Çember oder Curioso – insgesamt sind es sieben Organisationen.
Wir haben im Prinzip drei verschiedenen Formate: die Coachings, bei denen wir konkret zu Akteuren im Kiez gehen, um mit ihnen die größten Herausforderungen und Entwicklungsfelder, an denen sie arbeiten wollen, gemeinsam zu identifizieren. Wir wollen das nicht von außen vorgeben. Daraufhin konzentrieren wir uns auf ein spezielles Element des Fundraisings und begleiten sie in dem Prozess, dieses Entwicklungsziel zu erreichen. Das ist teilweise Wissensvermittlung, aber auch ganz viel Begleitung und Strukturierung. Im Prinzip ist es mein Job, die richtigen Fragen zu stellen.
Dieses Jahr dürfen gerne noch mehr Akteure dazu kommen, wenn unsere fünf Fortbildungsangebote starten. Die Inhalte beruhen auf einer Befragung der Akteure, bei der sich herausstellte, dass Kommunikation das wichtigste Grundthema ist. Die Fortbildungen haben immer einen speziellen Fokus pro Tag, wie z.B. Unternehmensförderung. Am Ende soll eine Kommunikationsmappe entstehen, digital oder in Papierform. Das dritte Format ist, dass wir ExpertInnen aus dem Bereich Fundraising einladen – in Form von Netzwerkveranstaltungen. Das ist für alle offen, die sich in diesem Bereich interessieren oder vorhaben etwas aufzubauen.

Kiezredaktion
Sind die aktiven Gruppen im Kiez teilweise schon hauptamtlich organisiert oder leben die Organisationen doch weitestgehend vom Ehrenamt?

Lisa Opel
Da gibt es schon beides. Natürlich ist häufig der Anfang eines Projektes die ehrenamtliche Vereinsarbeit, aufgrund einer politischen oder sozialen Grundidee. Manche haben sich da so gut etabliert, dass sie das mittlerweile hauptamtlich machen – aber das ist nicht immer so einfach.

Kiezredaktion
Zeichnen sich bestimmte Themen ab, die für die Initiativen im Mariannenkiez eine besondere Rolle spielen?

Lisa Opel
Das verbindende Element zwischen den Organisationen ist die Kommunikation, aber sonst sind das sehr unterschiedliche Themengebiete: außer dem Feedback zu Förderanträgen ist es z.B. das Projekte konkretisieren oder Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten. Wir haben auch einmal einen Super-Kiez-Infostand als Prototyp-Modell gebaut! Außerdem ist Unternehmensförderung ein Thema. Ich glaube die Organisationen aus dem Mariannenkiez sind schon sehr stark im Anträge schreiben und darin, Mittel von öffentlichen Geldgebern oder Stiftungen zu bekommen. Aber natürlich ist es etwas anderes, projektflexible oder sogar projektungebundene Gelder zu bekommen. Das ist ein langfristiger Prozess. Aber da machen wir erste Schritte in diese Richtung.

Kiezredaktion
Beim Anträge schreiben gibt es also schon Vorerfahrung. Was funktioniert außerdem schon gut?

Lisa Opel
Ich habe das Gefühl, dass alle Initiativen sehr eng mit ihrer Zielgruppe in Kontakt sind, was ganz wichtig ist. Die Aktivitäten, die sie entwickelt haben, sind schon ziemlich stark. Ich bin sehr beeindruckt wie viel sie mit den Mitteln, die sie zur Verfügung haben, bei ihrer Zielgruppe erreichen können. Ich glaube außerdem, dass sie untereinander schon sehr gut vernetzt sind. Nicht unbedingt über das Thema Fundraising, aber z.B. durch das Bildungsnetzwerk. Da hat sich schon sehr viel getan. Und ich mache das Projekt sehr gerne, weil alle immer sehr engagiert sind, das macht super viel Spaß.

Kiezredaktion
Das Ende der QM-Förderung ist für viele Projekte eine große Zäsur. Bist du guter Dinge, dass die Initiativen bald finanziell „auf eigenen Beinen stehen“?

Lisa Opel
Es ist auf jeden Fall eine große Umstrukturierung. Ich würde den Organisationen nicht gerecht werden, wenn ich sagen würde, sie bräuchten nie wieder Unterstützung. Gerade bei Anträgen ist das einfach immer hilfreich. Ich glaube es ist schon eine große Veränderung in der Kiezstruktur, wenn ein Quartiersmanagement verstetigt wird. Es gibt ja auch Gründe dafür, warum sich ein QM verstetigt. Mit dem Wandel im Kiez müssen die Organisationen schauen wie sie sich positionieren. Aber ich denke viele sind da auf einem guten Weg!


Der erste Fortbildungstermin zum Thema „Förderung durch EinzelspenderInnen“ findet bereits am 15. März statt. Veranstaltungsdetails und weitere Termine zu Online Fundraising, Unternehmensförderung, Netzwerken und Skalierung findet ihr hier.