Quartiersmanagement Mariannenplatz - Berlin

PhotoVoice - Fotografien und Geschichten von Neu-Kreuzberger-Jungs

Zur Ausstellungseröffnung am 2. Dezember stehen die Neu-Kreuzberger Jungs inmitten vieler interessierter Besucher*innen und den vielen Mitwirkenden des Projektes stolz neben ihren Lebens-Geschichten: Mit 12 Fotografien und 12 Texten erzählen diese von ihrem Leben im Kiez, von der Jugendhilfe, Rassismus, Sehnsucht, Heimweh und dem Erwachsenwerden. „Es ist uns wichtig, dass andere Menschen mehr von uns kennenlernen und wir etwas über uns erzählen können, wer wir sind, wie es sich anfühlt, neu nach Deutschland zu kommen, welche Erfahrungen und Erlebnisse wir hatten und wie es ist im Betreuungssystem der Jugendhilfe.“
„Wallah - Mein Leben“ erzählt von sechs Neu-Kreuzberger Jungs. Als unbegleitete, minderjährige Geflüchtete sind sie vor fast 2 Jahren in eine Wohngruppe des Ausbildungswerkes Kreuzberg e.V. in der Muskauer Straße gekommen. In den leerstehenden Räumen im Erdgeschoss des Hauses haben sie in 9-monatiger Vorbereitung eine autobiographische PhotoVoice Ausstellung eingerichtet und dafür selbst die erforderlichen Elektro- und Tischlerarbeiten ausgeführt.

Anabell Specht, Betreuerin der Wohngruppe und Studentin der Alice-Salomon-Hochschule im Fachbereich Sozialarbeit als Menschenrechtsprofession, hat die Ausstellung als partizipatives Studienprojekt mit den Jugendlichen umgesetzt. Unterstützt wurde sie dabei von vielen Seiten: das Ausbildungswerk Kreuzberg e.V. hat die ehemalige Elektrowerkstatt zur Verfügung gestellt, Kotti Paten e.V. die ehrenamtlichen Sprachmittler, die Camp Group gGmbH hat mit Kontakten und Ideen und das Quartiersmanagement mit finanziellen Mitteln aus dem Aktionsfonds unterstützt.

Wissenschaftlich wurde das Projekt durch Frau Prof. Dr. Nivedita Prasad betreut, die bei der Ausstellungseröffnung betonte, dass viel zu viel über und zu wenig mit Geflüchteten geredet wird. Dagegen leistet die Ausstellung ihren Beitrag, wie bei der Ausstellungseröffnung an den stattfindenden Gesprächen zwischen Neu-Kreuzberger Jungs und Ausstellungsbesucher*innen zu erleben war.
Bis zum 20.12.17 kann die Ausstellung "Wallah - Mein Leben" noch in der Muskauer 33 besucht werden.  Regine Schütz


Öffnungszeiten der Austellung bis zum 20.12.17 in der Muskauerstraße 33


Montag,11.12., 12:00 - 14:000
Dienstag, 12.12., 12:00 - 14:00
Mittwoch, 13.12., 12:00 - 14:00
Donnerstag, 14.12., 12:00 - 18:00
Freitag, 15.12., 11:00 - 18:00
Samstag, 16.12., 17:00 - 20:00
Monatg, 18.12., 12:00 - 14:00
Dienstag, 19.12., 12:00 - 14:00
Mittowch, 20.12., 12:00 - 14:00

Individuelle Termine außerhalb dieser Zeiten können gerne unter
umf@abw-kreuzberg.de angefragt werden.


Auszüge aus den Ausstellungs-Texten



..."Wenn sie mit mir reden, dann reden sie sehr schnell und sehr viel. Wenn ich ihnen sage, dass ich sie nicht verstehe, dann sagen sie ganz einfach, dass es mein eigenes Problem sei. Ich weiß, dass es mein Problem ist, aber es liegt nicht in meiner Hand. Es ist außerhalb meiner Kontrolle, obwohl ich mir wünsche, dieses Problem gelöst zu bekommen. Ich fühle mich gehindert zu sprechen.“

…"Als ich die Aufenthaltserlaubnis endlich hatte, war ich schon volljährig. Und Deutschland sagte mir: „Geh, lebe dein Leben ohne deine Familie“. Aber Deutschland weiß ja nicht was Familie bedeutet … denn das ist ja meine Familie und ich kann an niemanden sonst denken.“

…"In meinen Augen kann aber jemand, der sein Land mit 17 Jahren verlässt, das Meer in einem Schlauchboot gemeinsam mit 65 anderen Personen überquert, ins Meer fällt und daraufhin sechs oder sieben westliche Länder durchqueren muss, alleine, um in dem Land anzukommen, in das er gelangen will, ohne jegliche Unterstützung, als reif bezeichnet werden. Das ist reifer als es die meisten älteren Menschen sind.“

..."Eines der schwierigsten Gefühle, das Schmerz und Trauer in unseren Herzen bewirkt ist die Sehnsucht. Die Sehnsucht nach Personen und Orten, die uns etwas Besonderes bedeuten. …Wie sehr ich mir wünschte, die Uhr zu dieser wunderschönen Zeit zurückdrehen zu können, wenn es auch nur für eine Stunde wäre.“

…"Was ich sagen möchte ist, dass wir aus unseren Ländern gekommen sind, nur um vor dem Terrorismus zu fliehen und um nach Frieden zu suchen sowie unsere Lebensträume zu verwirklichen, die wir in unseren Ländern nicht erreichen können.“

…"Einige deutsche Personen sehen mich als Gefahr an, so als sei ich aus meinem Land gekommen um den Terrorismus zu verbreiten. Auch die Polizei denkt, dass ich ein Drogenhändler sei und betrachtet mich wie einen Kriminellen der ständig durchsucht werden muss, sodass ich oft zu wichtigen Terminen zu spät komme.“