Quartiersmanagement Mariannenplatz - Berlin

Aufruhr im Blumenbeet bei öffentlicher Pflanzaktion am Mariannenplatz

„Freitag ab zwei am Mariannenplatz dabei“, das hätte auch das Motto für die Anpflanzaktion am Feuerwehrbrunnenplatz sein können, die die Anwohnerin Rosa Risch zusammen mit dem Quartiersmanagement und der degewo am 8. Mai organisiert hatte. Wenn Kreuzberg ein Dorf ist, wie man in Mauerzeiten oft hören konnte, dann war an diesem Tag der Feuerwehrbrunnenplatz ein kleiner, quirliger Dorfplatz - so viele Leute waren hier. Im Normalbetrieb ist es auf dem gepflasterten, verkehrsfreien Platz am Ende des Mariannenparks eher ruhig mit einer fast südländischen Siesta Stimmung, ein paar Bänken und der mittlerweile plätschernde Feuerwehrbrunnen.
Im Gegensatz dazu blühte der Platz bei dieser öffentlichen Pflanzaktion im doppelten Sinne richtig auf. In den Beeten ackerten sozusagen lauter „Kinder“-Gärtnerinnen und -Gärtner und Drumherum auf dem Platz war mindestens genauso viel los: Für weitere Begrünungsmaßnahmen konnten die Kinder Samenbomben mit Umweltpädagoginnen von Wildnisspur bauen. Am degewo-Stand gab es umsonst und draußen an Stehtischen Getränke und kleine Snacks. Die Radfahrer hatten Gelegenheit, an der mobilen Fahrradwerkstatt des Berliner Fahrradmarktes kleinere Radreparaturen gegen Spende durchführen zu lassen, was so viele wahrgenommen haben, dass man teilweise sogar etwas warten musste. Am Stand des Quartiersmanagements war die Nachfrage vor allem nach Jutebeuteln und Kugelschreibern groß. Dazu konnte man einige der „laufenden“ Projekte des Quartiersmanagements persönlich und live erleben. Rosa Risch, die regelmäßig einen Strickkurs anbietet, saß strickend mit einigen anderen Frauen auf einer der Bänke. Drei Mädchen der Nürtingen-Grundschule interviewten, im Rahmen des Schülerzeitungs-Projektes, Albrecht Neumeister, den leitenden Gärtner der Aktion mittendrin für einen Artikel für die nächste „Hallo Marianne!“. Stephan G. Geffers von Socius war intensiv mit vielen im Gespräch, um Anwohnermeinungen für das Projekt Zukunftswerkstatt zu sammeln. Eine gute Gelegenheit vor allem mit Eltern in Kontakt zu kommen, die nach und nach ihre Kinder diesmal hier statt im Hort bzw. der Kita abholten. Mit diesem sozialem Drumherum war die Pflanzaktion also weit mehr als nur ein urban gardening an einem öffentlichen Platz. Gärtnerisch betrachtet allerdings sind dabei - nach Aussage des von der degewo beauftragten Gartenarchitekten Albrecht Neumeister - insgesamt ca. 350 Töpfchen mit Lavandel, Frauenmantel, Primeln und andere in die Beete gekommen.
Die jungen Gärtnerinnen und Gärtner waren vor allem Schüler und Schülerinnen der Nürtingen-Grundschule, die nach ihrem Unterrichtsschluss zusammen mit den jüngeren KollegInnen aus der Kita Affentanz die drei Hochbeete „aufgemischt“ haben. Genau genommen war die Arbeitsteilung allerdings so, dass die anwesenden Erwachsenen die Erdlöcher gegraben haben und die Kinder die Pflanzen anschließend hinein packten. Ein wahrer „Aufruhr im Blumenbeet“. Mit so vielen anpackenden Händen hatten die meisten Pflänzchen ihren Standort schnell gefunden.

Jetzt kann man in den Hochbeeten am Feuerwehrbrunnenplatz ein grünes Mosaik aus Alt-, Spontan-und Jungpflanzen betrachten. Auf den ersten Blick mag es für manch gartenfernen Städter nicht sofort zu erkennen sein, was neu, was alt ist. Aber wenn die jungen Pflanzen erst richtig angewachsenen sind, wird noch deutlicher zusehen sein, was man jetzt durch die Kräuter schon teilweise gut riechen kann. Keine gezirkelte Blumenrabatte also, sondern eine bunte, wilde Mischung, die gemeinschaftlich mit vielen Mitwirkenden gestaltet wurde - eben typisch Kreuzberg. Wenn jetzt noch viele Anwohner mit den „verschenkten Gießkannen“ regelmäßig gießen, wird die Pflanzen-Integration wohl gelingen.    
Regine Schütz